Rechtschaffenheit

Im Heiligen Qur’an wird auf kein anderes Gebot mehr Wert gelegt, als auf die Tugend und Rechtschaffenheit. Der Grund hierfür ist, dass Rechtschaffenheit die Stärke verleiht, jedem Laster zu widerstehen, und zum Fortschritt in allem Guten drängt. Die Rechtschaffenheit ist unter allen Umständen ein Talisman, der Sicherheit garantiert, und eine Zitadelle für die Absicherung gegen alles Unheil. Eine rechtschaffene Person kann viele eitle und schädliche Streitigkeiten vermeiden, die andere Menschen oft zur Vernichtung führen. Durch ihre raschen Handlungen und Vermutungen säen sie unter den Leuten den Samen der Abtrünnigkeit und setzen sich selbst offener Kritik aus. (Ayyāmuṣ-ṣulḥ, Rūḥānī ḫazāʾin, Bd. 14, S. 342)

Merkmale der Rechtschaffenheit

Die Rechtschaffenheit hat viele Merkmale. Es ist Rechtschaffenheit, Stolz und Selbstachtung zu meiden sowie sich ungesetzlichen Gewinns und schlechter Manieren zu enthalten. Jemand, der Höflichkeit und gute Manieren zeigt, macht seine Feinde zu Freunden. (Malfūẓāt, vol. I, S. 81)

Gesegnet ist jener, der die Rechtschaffenheit zu einer Zeit von Erfolg und Wohlstand annimmt, und höchst unglücklich ist jener, der sich nach dem Stolpern nicht der Rechtschaffenheit zuwendet. (Malfūẓāt, vol. I, S. 157)

Die spirituelle Schönheit des Menschen besteht darin, all den feinen Wegen der Rechtschaffenheit zu folgen. Sie sind die anziehenden Merkmale der spirituellen Schönheit. Es ist offensichtlich, dass der Weg zur Vervollkommnung seiner spirituellen Schönheit darin besteht, dem Vertrauen von Gott, dem Allmächtigen, eingedenk zu sein, alle Verpflichtungen des Glaubens zu erfüllen, alle Fähigkeiten und Glieder, dabei sowohl die sichtbaren wie Augen und Ohren und Hände und Füße und ähnliche, als auch die verborgenen, wie die Sinne und andere Fähigkeiten und Eigenschaften, bei der passenden Gelegenheit zu gebrauchen und sie davon zurückzuhalten, bei unpassenden Gelegenheiten in Erscheinung
zu treten, sowie darin besteht, vor den subtilen Angriffen der Laster gewarnt und der Rechte seiner Mitmenschen eingedenk zu sein. Im Heiligen Qur‘an hat Gott, der Allmächtige, die Rechtschaffenheit als ein Gewand bezeichnet. Libāsu t-taqwa1 ist ein Ausdruck des Heiligen Qur‘an2 . Dies ist ein Hinweis darauf, dass spirituelle Schönheit und spiritueller Schmuck durch Rechtschaffenheit erlangt werden. Rechtschaffenheit bedeutet, dass man sowohl des kleinsten Details der göttlichen Pfände und Verpflichtungen als auch allen Pfänden und Verpflichtungen seiner Mitmenschen – so weit dies möglich sein möge – eingedenk sein muss. Das heißt, man muss versuchen, diese Erfordernisse, in all ihren feinsten Einzelheiten und gemäß dem besten seiner Fähigkeiten, zu erfüllen.
(Barāhīn-e aḥmadiyya, Teil V, Rūḥānī ḫazāʾin, Bd. 21, S. 209-210)

„Die Rechtschaffenheit ist unter allen Umständen ein Talisman, der Sicherheit garantiert, und eine Zitadelle für die Absicherung gegen alles Unheil.“

Rechtschaffenheit

Wahre Rechtschaffenheit und Ignoranz können nicht gleichzeitig existieren. Wahre Rechtschaffenheit wird von einem Licht begleitet, da Gott, der Glorreiche, gesagt hat:

Das heißt, O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr standhaft seid in der Rechtschaffenheit und um Allahs Willen entschlossen und ausdauernd an ihr festhält, wird Er euch mit einer deutlichen Unterscheidung von euren Verleumdern hervorheben. Das heißt, ihr werdet gesegnet sein mit einem Licht, das euch begleiten wird, wo immer ihr euch auch begebt. Dies bedeutet, dass jenen, die standhaft sind, ein Erkennungszeichen verliehen wird, durch das sie von anderen unterschieden werden können, und jenes Erkennungszeichen ist, dass sie mit einem Licht versehen werden, mit dessen Hilfe sie auf allen Wegen des Lebens gehen werden. Das Licht würde alle ihre Handlungen und Worte und Fähigkeiten und Sinne erleuchten. Ihr Intellekt wäre erleuchtet und es wäre Licht in allem, was sie sagen. Es wäre Licht in ihren Augen und in ihren Ohren und in ihren Zungen und in ihrer Rede und in all ihren Bewegungen. Die Wege, die sie entlangschreiten, wären erleuchtet. Alle ihre Wege, die Wege ihrer Fähigkeiten und ihrer Sinne, wären mit Licht erfüllt, und sie werden vollkommen eingehen im Licht. (Āʾīna-e kamālāt-e islām, Rūḥānī ḫazāʾin, Bd. 5, S. 177-178)

Für himmlisches Wissen ist Rechtschaffenheit erforderlich

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Erwerb weltlichen Wissens und dem Wissen des Heiligen Qur‘an. Für das Studium von Grammatik, Physik, Philosophie, Astronomie, Medizin usw. ist Rechtschaffenheit nicht erforderlich. Es ist nicht notwendig, dass jemand, der diese Fächer studiert, das ṣalāt verrichten und fasten und der göttlichen Gebote und Verbote eingedenk sein soll sowie jede seiner Handlungen und jedes seiner Worte den göttlichen Anweisungen unterworfen sein soll. In der Tat geschieht es oft, dass jene, die nach solchem Wissen streben, zu Atheisten und in jede Art von Laster verwickelt werden. Heutzutage bietet die Welt ein merkwürdiges Schauspiel. Obwohl die Menschen Europas und Amerikas große Leistung in den weltlichen Künsten und Wissenschaften erzielen und täglich neue Erfindungen machen, ist ihr moralischer und spiritueller Zustand bedauerlich. Einige der Szenen, die sich in den Parks von London und den Hotels von Paris abspielen und in der Tagespresse Erwähnung finden, können wir nicht einmal erwähnen. Andererseits ist die Rechtschaffenheit eine wesentliche Bedingung für das himmlische Wissen und die Erlangung des Wissens über die Geheimnisse des Heiligen Qur‘an. Zu diesem Zweck ist aufrichtige Reue vonnöten. Denn die Tür zum qur‘anischen Wissen wird solange nicht geöffnet, bis jener, der danach strebt, die Bürde der göttlichen Gebote nicht mit vollkommener Demut und Ergebenheit trägt und sich Ihm, vor Seiner Herrlichkeit und Macht erzitternd, demütig zuwendet. Ohne dies kann er aus dem Heiligen Qur‘an nicht die Mittel erlangen, um jene Eigenschaften und Fähigkeiten zu fördern, die Wonne und Trost für die Seele erzeugen. Der Heilige Qur‘an ist das Buch Gottes und sein Wissen liegt in der Hand Gottes; somit ist Rechtschaffenheit die Leiter zum Erwerb solchen Wissens. Wie also kann Rechtschaffenheit möglich sein, dass die ungläubigen Frevler, die übelgesinnt sind und von ihren irdischen Leidenschaften gefangen gehalten werden, solches Wissen erlangen? Einem Muslim, der seine Seele nicht läutert, wird kein Wissen des Heiligen Qur‘an gewährt, wie groß sein Können in Grammatik und den literarischen Fächern auch
immer sei, und wie sehr auch immer er sich der Achtung der Weltlichen erfreuen möge. In dieser Zeit konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Welt auf das weltliche Wissen, und das Licht des westlichen Wissens fährt fort, die Menschheit durch neue Erfindungen und Erzeugnisse in Erstaunen zu versetzen. Unglücklicherweise haben auch die Muslime zur Förderung ihres eigenen Wohlergehens die Entscheidung getroffen, dem Westen zu folgen, und sie sind stolz darauf,
Europa und Amerika nachzuahmen. Das ist die Einstellung der Muslime, die dem neuen Licht folgen. Jene, die als altmodische Muslime bekannt sind und sich für die Hüter des Glaubens halten, werden von der Wichtigkeit der Einzelheiten der Grammatik und dem Bestimmen der richtigen Betonung von ḍāllīn in Anspruch genommen. Sie
schenken der wahren Bedeutung des Heiligen Qur‘an keine Aufmerksamkeit, noch sind sie dazu in der Lage, da sie sich nicht mit der Läuterung ihrer Seelen befassen. (Malfūẓāt, vol. I, S. 425-427)

Eigenschaften der Rechtschaffenen

Um wahrhaft rechtschaffen zu werden, ist es erforderlich, dass man so hervorstechende Laster wie Ehebruch, Diebstahl,
Überschreitung, Heuchelei, Selbstachtung, Verachtung seiner Mitmenschen und Geiz vollkommen aufgibt, aller niederen Moral entsagt und in hohen moralischen Werten Fortschritte erzielt. Man sollte sich gegenüber seinen Mitmenschen höflich verhalten und Mitgefühl zeigen und wahre Treue und Aufrichtigkeit gegenüber Gott, dem Allmächtigen, entwickeln. Man sollte ständig nach Gelegenheiten suchen für einen wohltätigen Dienst. Nur derjenige, der alle diese Eigenschaften in sich vereint, ist rechtschaffen. Der Besitz einer einzigen dieser Eigenschaften würde niemanden dazu berechtigen, zu den Rechtschaffenen gezählt zu werden, wenn er nicht auch alle anderen Eigenschaften besitzt. Nur jene sind es, über die gesagt wurde:

Was bräuchten sie noch? Gott, der Allmächtige, wird zu ihrem Beschützer, so wie es heißt:

In einem anderen Hadith heißt es, dass Gott, der Allmächtige, zu ihrer Hand wird, mit der sie greifen, und zu ihren Augen, mit denen sie sehen, und zu ihren Ohren, mit denen sie hören, und zu ihren Füßen, mit denen sie gehen. In einem anderen Hadith wird angegeben, dass Gott verkündet hat, dass jener, der gegenüber einem Meiner Freunde Feindschaft hegt, sich darauf vorbereiten sollte, mit Mir zu kämpfen. Ein weiteres Hadith erklärt, wenn jemand einen Freund Gottes angreift, stürzt Er sich auf jenen mit der Heftigkeit, mit der eine Tigerin sich auf einen stürzt, der ihr Junges zu rauben versucht. (Malfūẓāt, vol. IV, S. 400-401)

Anmerkungen und Einzelnachweise:

  1. Das Gewand der Rechtschaffenheit. (Anm. d. Ü.)
    2. Al-Aʿrāf, 7:27. (Anm. d. Ü.)
    3.Al-Anfāl, 8:30. (Anm. d. Ü.)
    4.Al-Ḥadīd, 57:29. (Anm. d. Ü.)
    5.„Keine Furcht soll über sie kommen, noch sollten sie
    trauern.“ (Al-Aʿrāf, 7:36; Anm.d. Ü.)
    6.„Er beschützt die Rechtschaffenen.“ (Al-Aʿrāf, 7:197;
    Anm. d. Ü.)

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